Erich Mendelsohn / časopis Prostor 1/2013

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Prostor 1/2013, Ita Heinze-Greenberg , Richard Biegel Erich Mendelsohn … ze života str. 42–46

Recenze – Richard Biegel:

Für Architekten ein Buch über Architekten zu schreiben, ist nicht schwer, auch ein eher oberflächliches Sachbuch nach geläufigen Mustern und Schemata zu verfassen dürfte kaum ein Problem sein. Ein tatsächliches Fachbuch für einen Leser, der das betreffende Thema nur am Rande oder nur zufällig kennt, hingegen ist eine wahre Kunst. Wo sie gelingt, öffnet sich unerwartet das Tor zu einer ganz neuen Welt, die sich vor den erstaunten Lesern in ihrer Ganzheit, in all ihren Farben, Fragen und Düften entfaltet.

Der Titel des von Ita Heinze-Greenberg verfassten Buches ist schlicht, ja geradezu unauffällig: Erich Mendelsohn… Biografisches.Ein liebevoller Titel, hinter dem sich eher kleine Skizzen, Anekdoten oder Momentaufnahmen zu verbergen scheinen, die ein gut lesbares Porträt des Architekten entwerfen, mit leichter Hand eingefügt in den zeitgenössischen Kontext, in die Atmosphäre von damals. Nach den ersten Seiten jedoch stellt der Leser überrascht fest, dass das bescheidene, eher schmale Buch weitaus mehr bietet, als man vermuten würde. Seine Sprache fesselt, kommt dem Leser entgegen: um ihn desto müheloser und wohl auch unmerklicher zum Kern der Sache zu führen, zu den Urgründen eines Dramas, das sich im damaligen Europa als stete Bedrohung über Mendelsohns Leben spannen sollte wie ein lastender bleierner Himmel. Sein inneres und äußeres Ringen um die Architektur spielt sich vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Ereignisse in Mitteleuropa ab; sie machen aus dem Architekten einen Reisenden wider eigenen Willen. Statt der strengen historischen Fatalität, die für viele Autoren vielleicht die einzige Achse in Mendelsohns Leben geblieben wäre, zeichnet Heinze-Greenberg noch ein ganz anderes Bild: jede Lebensetappe ist für Mendelsohn stets auch ein Neubeginn, der freilich an frühere Überlegungen, Projekte und Lebensentwürfe anknüpft. Auch die Familiengeschichte spielt hier hinein; sie ist keineswegs nur von letztendlich verzichtbarem literarischem Reiz, sondern liefert den Schlüssel zum Verständnis vieler Situationen und Umschwünge.

Ita Heinze-Greenberg ist es gelungen, das wichtige und außerordentlich komplexe Thema höchst plastisch und ohne Vereinfachung vor Augen zu führen. Mit bemerkenswerter Leichtigkeit wirft sie die wesentlichen Fragen auf, um allein aus Mendelsohns Leben und seiner Architektur heraus eine Antwort zu finden. Verblüffend anschaulich eröffnet sie dem Leser den Weg in die facettenreiche Welt der Architektur, die auch dann noch in ihm weiterschwingen wird, wenn er die letzte Seite beendet hat.

Die sehr offen und eingängig geschriebene Monographie ist zugleich Fachliteratur auf hohem Niveau und beleuchtet Mendelsohns Werk neu und oft überraschend. Der ausführliche Anmerkungsteil und das umfangreiche Literaturverzeichnis bieten nicht nur eine hervorragende Grundlage für jede weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Thematik, sondern sind ebenso Beweis dafür, dass das Buch in der aktuellen Mendelsohn-Forschungsstand bestens verankert ist und die langjährigen Arbeiten der Autorin mehr als würdig krönt.

Richard Biegel

Institut für Geschichte und Kunst der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag

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